Um die Angst vor Zeiten der Unsicherheit nach einer Trennung, der Zeit in der wir nicht wissen wie es weitergehen soll, diese in den Griff zu bekommen, verfallen viele Menschen in Aktionismus.
Ein neuer Partner muss her!
Es wird sich aufgebrezelt, ab in die Disco, alte Freunde werden aktiviert um sich ins Nachtleben zu trauen oder es wird im Internet gesucht.
Die Gefühle der Verunsicherung sollen damit vermieden werden.
Nur wie sieht es in den meisten Fällen aus?
Entweder wir sind schnell desillusioniert , weil im Nachtleben niemand zu finden ist oder weil im Internet sich ebenfalls viele traurige und enttäuschte Seelen herumtreiben.
Findet sich doch ein , wie es scheint passender Partner, stellt sich oft schon nach kurzer Zeit heraus, dass dieser „auch nur mit Wasser kocht“.
Es hatte sich zwar eine deutliche Entspannung im Körper gezeigt, eine freudige Aufregung breitgemacht und der Friseur wurde auch ein Stück reicher, aber ein wirkliches Wohlbefinden?
Manchmal hat man den Gedanken, dass man doch beim „alten“ Partner hätte bleiben sollen. Gefühle der alten Vertrautheit fehlen. Das Alleinsein macht zu schaffen und der neue Partner ist eben nicht „das Gelbe vom Ei“.
Was tun?
Alle Gefühle zulassen, nicht flüchten vor der Einsamkeit und aushalten, so schwer es ist.
Abstand gewinnen, reflektieren, den Alltag so gut es geht meistern. Ja , das sind die allgemeinen Tips und sie sind richtig. Nur so kann man eines Tages einen neuen Partner und vielleicht den richtigen finden.

Nimmt man jedoch alle unverarbeiteten Gefühle von Wut, Trauer, Enttäuschung, Angst, Selbstzweifel usw. auf neuer „Braut- bzw. Bräutigamschau“ mit, bräuchte man eher einen Therapeuten als einen Liebespartner. Denn schon nach kurzer Zeit der Verliebtheit, zeigen sich die Probleme wieder und belasten die neue Beziehung. Nicht abgeschlossene und unverarbeitete Beziehungen sind Gift für einen Neuanfang.
Der neue Partner wird unbewusst in eine Rolle gedrängt, die dieser in den meisten Fällen nicht erfüllen kann. Einerseits ist er das Pflaster für die Seele und anderseits Tummelplatz für Ärger und Frust. Das kann nicht gutgehen.
Meistens werden diese Beziehungen rasch wieder beendet mit dem Ausspruch :
Wieder nicht der oder die Richtige. Wenn es schlecht läuft, wiederholt sich das Ganze noch ein paar Mal oder der Verstand schaltet sich endlich ein.
Was erwarte ich von einem Partner?
Was bin ich bereit zu geben?
Wie bin ich überhaupt, wie verhalte ich mich in Beziehungen?
Diese und andere Antworten finden wir nur in der Stille.
Es gilt den Schmerz zuzulassen, ja Einsamkeit tut erst einmal weh, aber trotzdem sich gut um sich zu kümmern. Jeden Tag ein bisschen mehr.
Sich Fragen zu stellen, was brauche ich jetzt? Was würde mir guttun?

Vielleicht erinnern wir uns an frühere Aktivitäten, die wir für die Beziehung aufgegeben haben und knüpfen nochmals daran an. Oder wir probieren etwas Neues aus.
Im besten Falle merken wir eines Tages, dass wir gut allein sein können, dass wir genauer wissen was wir wollen und was nicht. Vielleicht ist der Trauerschmerz nicht mehr so oft zu spüren und die Paare in trauter Zweisamkeit auf den Strassen versetzen uns nicht mehr in Panik und Verzweiflung.

Wenn wir es schaffen, ein gutes Leben ohne einen Partner zu führen, ein Leben was nicht steht und fällt mit einer sog. besseren Hälfte, dann sind wir wirklich beziehungsfähig.
Wir können Toleranz leben, die Wünsche und Bedürfnisse des Partners akzeptieren und die eigenen zur Sprache bringen und liebevoll Konflikte lösen .