Dieser Begriff wird oft in Liebesbeziehungen verwendet, doch was bedeutet er genau?
Einerseits löst es im Menschen ein Wohlgefühl aus, anderseits bereitet es eher Stress.
Bedingungslos enthält ein bedingungsloses „Ja“ zum Partner, ein Gefühl der Einheit, einer grenzenlosen Verschmelzung und — Blauäugigkeit.
„Du liebst mich ohne Bedingungen, “ klingt erst einmal nach einer freien und entspannten Beziehung. Aber keine Bedingungen? Kein: “ Aber nur wenn du mir treu bist, wenn du nicht mit ihm ( einen vermeintlichen Nebenbuhler) in den Urlaub fährst, du mich Weihnachten nicht allein lässt, der Kellnerin nicht in den Ausschnitt schaust, mir öfter mal ein Kompliment machst , ich mal allein schlafen möchte“ usw.?
In der Beziehungsliebe gibt es immer Bedingungen und das ist gut und richtig.
Es bedeutet auch: Nur unter gewissen Voraussetzungen möchte ich mit dir eine Beziehung.
Das zu wollen ist klug und zeugt doch von einer erwachsenen und intelligenten Einstellung.

Sicher, nach der anfänglichen Verliebtheit, in der wir die rosarote Brille noch tragen, der Partner eher verschleiert und vernebelt wahrgenommen wird, sind wir unzurechnungsfähig und glauben vielleicht an eine bedingungslose Verschmelzung, an ein Leben gemeinsam auf einer einsamen Insel und auf ein lebenlanges Zusammensein mit den Gedanken, gemeinsam im Alter auf der Bank vor dem Haus zu sitzen. Kenn ich, ist normal!
Aber danach, dann geht die „Beziehungsarbeit“ los.

Viele scheitern daran, weil sie den Partner jetzt in einem anderen (Neon) Licht sehen. Es zeigen sich immer mehr die Eigenarten und j e t z t kommt das anfängliche Verliebtheitsgefühl ins Wanken.
„Das habe ich mir anders vorgestellt, wie benimmst du dich denn, sonst sind wir doch auch immer spazierengegangen, die Socken hattest du doch schon letzte Woche an, ich will nicht dass du in meiner Wohnung rauchst – ja, jetzt stört es mich auf einmal! Deine Freunde nerven und dein Hund stinkt und überhaupt, hattest du da oben links schon immer eine Zahnlücke?“ usw……..

Jetzt gilt es zu reden, zu verhandeln, sich auszutauschen offen und ehrlich, was will ich und was nicht, was willst du und was nicht und wenn dann noch ein warmes Gefühl von liebevollem Wohlwollen dabei ist, kann es was werden. Diese Zeit nimmt einem niemand ab und eine gute Beziehung fällt nun mal nicht vom Himmel. Jedes Paar muss da durch und wenn beide davon wissen , sich immer wieder liebevoll daran erinnern „Komm, wir schaffen das“, kann danach eine echte Liebesbeziehung entstehen. Kann eine Beziehung auf Vertrauen aufgebaut werden, Vertrauen auch im Sinne, dass, egal was ich (oder du) an mich ranträgst, ich es mir anhöre und wir einen gemeinsamen Weg finden, denn eine gewachsene Beziehung verträgt einiges. Jeder darf weiter wachsen ,wie es seiner wahren Natur entspricht , was einer gewissen Unabhängigkeit bedarf . Die Liebe sollte gepflegt werden, damit eine echte Verbundenheit entsteht.

So, nun wieder zu den Bedingungen. Die werden im Laufe der Zeit in jeder Beziehung ausgehandelt. Ob sie ausgesprochen oder unausgesprochen bleiben. Aber ohne gewisse Regeln geht es weder im Straßenverkehr noch in Beziehungen.
Aber was ist diese „bedingungslose“ Liebe ?
Sie ist ein kindlicher Wunsch. Sie ist eine Liebe, die nichts für sich will.
Es ist eher die Liebe, die uns in besten Fall unsere Mutter gegeben hat.
Es ist das bedingungslose, wertschätzende Annehmen des Kindes, das Beschützen und Nähren, Geborgenheit und Sicherheit vermittelnde, was den Nährboden des Urvertrauen bildet und worauf das Selbstvertrauen wachsen kann.
Aber diese Liebe ist auch eine abhängige Liebe von der Mutter. Sie hat die Macht, sie uns zu geben oder auch nicht.
Gab es diese Liebe nicht, bleibt immer eine Gefühl von Mangel , von Sehnsucht nach dieser Art von Liebe, bis man es sich, meist sehr schmerzhaft klar macht, dass man sie nicht mehr bekommt.

Hat ein Mensch, der diese Liebe nicht erfahren hat, nicht diese Erkenntnis, wird er sich immer wieder in schwierig verlaufenden Beziehungen befinden. Er wird suchen und suchen und sie nicht finden. Vorwürfe wie : „Du liebst mich nicht. Du gibst mir nicht dieses oder jenes. Du stehst nicht wirklich zu mir. Immer lässt du mich allein. Du verstehst mich nicht,“ u.a. zeugen von einem fehlenden Vertrauen in sich selbst.
Es ist das mangelnde Selbstvertrauen und die mangelnde Selbstliebe.

Selbstliebe im Sinne von : Ich schätze mich wie ich bin und werde geliebt so wie ich bin und brauche nicht die Bestätigung in einer Beziehung. Ich weiß um meinen Wert, meiner Einzigartigkeit.