Daß du mich liebst, das wußt’ich,
Ich hatt‘ es längst entdeckt;
Doch als du mir’s gestanden,
Hat es mich fast erschreckt.

Ich stieg wohl auf die Berge
und jubelte und sang;
Ich ging ans Meer und weinte
Beim Sonnenuntergang;

Mein Herz ist wie die Sonne
so flammend anzusehen,
Und in ein Meer von Liebe
Versinkt es groß und schön

Heinrich Heine

 

Im anfänglichen Zauber der Verliebtheit, finden wir so viel „toll“ am anderen. Wir machen Freunde, Verwandte und Bekannte regelrecht „verrückt“ damit, von ihm oder ihr zu erzählen.
In dieser Zeit geht alles wie von selbst. Wir sind aufmerksam, voller Leidenschaft dem anderen zu gefallen und fühlen uns großartig. Der andere ist ein Geschenk des Himmels und wir tun Dinge, die wir bisher noch gar nicht von uns kannten. Wir laufen zur Höchstform auf. Brauchen weder Nahrung noch Schlaf. Herz und Körper sind voller Hingabe.
Diese Zeit i s t ein Geschenk des Himmels. Sie ist wunderschön, aber leider nur begrenzt. (Und wir lassen sie uns auch nicht mit biologischen Erklärungen nehmen!)

Nach dieser aufregenden Zeit wechselt das Verliebtsein in ein anderes Stadium und das Gefühl verändert sich. Es k a n n Liebe entstehen, wenn beide Partner sich darauf einlassen, dass Liebe ein Entwicklungsprozess ist. Sie fällt nicht vom Himmel! Jetzt gilt es etwas zu tun, damit aus der anfänglichen, leichten Beziehung eine reife und tragfähige Liebesbeziehung wird. Eine Verbindung, in der eine tiefe Verbundenheit und Nähe entstehen kann. In der die Autonomie und Bindung in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.
Natürlicherweise wollen wir das, was wir lieben, behalten.
Nur lässt sich letztendlich nichts im Leben festhalten. Wir können Liebgewonnenes immer wieder verlieren. Es gibt keine Garantien für ewige Liebe und ewiges Glück.
Das rechtzeitig zu wissen, macht das Leben um einiges leichter.
Liebe darf nicht sein :
– Ich brauche dich zum Leben.
– Ich kann ohne dich nicht sein.
– Du hast dafür zu sorgen, dass ich glücklich und zufrieden bin.
– Wir müssen alles gemeinsam machen.
– Sich gegenseitig „besitzen“ zu wollen.
– Sei so oder so, mach dies oder jenes, damit ich das Gefühl habe, du liebst mich und verlässt mich nicht.
Wenn wir so denken und danach handeln, ersticken wir die Liebe.
Es ist so, als wollten wir den anderen in eine Form pressen, die w i r bestimmen.
Nur, je mehr wir klammern und kontrollieren, desto mehr muss der andere sich daraus befreien um sein eigenes „Ich“ zu schützen.
Ausserdem berauben sich beide damit ihrer Einmaligkeit , ihrer Frische und Lebenslust.
Der, der klammert, wird zum tragischen, oft selbstzerstörerischen Überwacher, zum kleinlichen Zetergeist und letztendlich nervig und unerotisch. Der andere verschließt sich immer mehr und wenn das ganze Theater nicht aufhört, wird er gehen.
Der anfängliche Zauber ist verschwunden.

Liebe setzt ein freies „Ich“ voraus, damit ein „Wir“ entstehen kann.
Die Aussprüche “ Symbiotisch verschmelzen“, „Mein Sinn des Lebens“, „Einssein“, beinhalten eine romantische Vorstellung, aber in der Realität bedeutet es oftmals Unterordnung, Autonomieverlust, Verlust der Selbstachtung, Selbstauflösung, innere Leere und Abhängigkeit, bis irgendwann die Angst vor dem Selbstverlust so groß wird und Mechanismen greifen wie distanziertes Verhalten, man kann den anderen nicht mehr riechen, Fremdgehen u. a.
Was in vielen Fällen dann in einer Trennung endet. Oder beide halten trotzdem an der Beziehung fest und es wird eine eher enttäuschende, quälende und zerstörerische Verbindung. Ein Beispiel, welches wohl alle kennen :
Ein Pärchen sitzt im Restaurant am Tisch sich gegenüber mit versteinerter Miene und essen schweigend.
Aber dazu muß es nicht kommen. Beherzigen wir:
– Nur wenn jeder für sich wachsen kann, können wir zusammenwachsen.
– Wenn jeder die Verantwortung für ein selbstzufriedenes Leben übernimmt, kann ein unglaublich schönes und entspanntes „Wir“ entstehen, denn damit wird viel Druck und Angst aus der Beziehung genommen. Statt ein „Ich will etwas von dir, dass du mir erfüllen sollst“, wäre es besser, wenn „einfach nur gemeinsam sein“ daraus wird.
– Immer wieder sollten sich beide sagen können : Ich bin vollkommen frei und in dieser Freiheit bin ich gern mit dir zusammen.
Haben wir dann noch Achtung voreinander, auch in Auseinandersetzungen, die ebenso dazugehören, lieben die Eigenarten des geliebten Menschen und bemühen uns die Liebe lebendig zu erhalten ,jeder pflegt seine Interessen und Freundschaften und auch die gemeinsamen, dann kann es klappen.