Dies ist die Geschichte von einer wunderschönen und zarten Elfe, einem Kentaur und einer großen, alles überwindenden Liebe.

Die Elfe ging gern in den Wald und sprach mit den Tieren.
Eines Tages hörte sie Stimmen und erblickte zwei Kentauren, die sich stritten. Der eine machte einen überheblichen Eindruck, „Ich bin besser im Kampf als Du!“; „Pah-du doch nicht!“
So ging es eine Weile hin und her, bis sie die Elfe bemerkten.
„Hey, was für ein hübsches Geschöpf“, sagte der Draufgängerische, in Gedanken bereits die Elfe im Arm haltend, „Die hol ich mir!“
„Das lässt du schön sein“, sagte der andere und sie kämpften miteinander.
„Hört auf“ , rief die Elfe. „Ich werde keinen von euch gehören. Eine Elfe und ein Kentaur, dass passt sowieso nicht“.
Sie wusste, dass Kentauren zwar grosse Töne von sich gaben und sich gern raufen, aber ein weiches und reines Herz haben.
Der Draufgänger gab ebenso schnell wieder auf, wie er vorgestürmt war, ging fort und sie blieb mit dem anderen zurück.
„Warum geht das nicht?“, fragte er sie. Er war hingerissen von ihrem Anblick und um sein Herz wurde es immer wärmer. „Wir sind zu verschieden und so etwas hat keine Zukunft“, antwortete sie. „Ach Zukunft, und wenn das Herz etwas anderes sagt?“
Sie schaute ihn lange an. Er war eine so schöne Gestalt mit wunderschönen Augen und einer warmen Stimme. Auch ihr wurde warm um’s Herz. „Vielleicht hast du recht!“

Ihre Herzen hatten bereits beschlossen, was der Verstand noch nicht glauben wollte- sie hatten sich verliebt!
Ab diesem Tag trafen sie sich so oft es ging. Sie erzählten sich von ihren Welten und ihre Liebe wuchs von Tag zu Tag. Sie tolerierten die Eigenarten des jeweils anderen und schätzten die Zeit, die sie miteinander verbrachten, wie ein grosses Geschenk.
Sie wusste, nachdem sie ein paar Tage zusammen verbracht hatten, dass er bald wieder unruhig wurde. Gleich wird er sich wieder aufmachen und mir wieder nicht sagen, wohin er geht und was er macht, dachte sie bei sich. Und so war es auch. Sie sah es ihm an und ließ ihn gehen.

Nach ein paar Tagen kehrte er zurück, völlig erschöpft. Sie wusste, er kämpfte gegen alle Arten von Ungerechtigkeiten, aber wenn er bei ihr war, wollte er die Zeit nur mit ihrer Liebe verbringen. Sie nahm ihn dann wissend und voller Liebe in ihre Arme.
Eines Tages, nachdem er wieder einmal Tage fort war und sie beieinanderlagen, sagte sie ihm :“Ich halte das nicht mehr aus, diese vielen Sorgen und Ängste um dich und nichts erzählst du. Ich mag nicht mehr und auch meine Sippe rät mir inständig von dir ab. Es hat eben doch keine Zukunft mit uns.“
Der Kentaur stand auf, sagte kein Wort und ging.

In seinem Kopf schwirrte es und sein Herz tat ihm weh. Es wollte sie doch nur mit seinem Schweigen über all die Dinge, die ihn bewegten und das, was er tat, nicht beunruhigen. Er wollte nur Schönes mit ihr erleben.
Er lief ohne Ziel und seine Gedanken kreisten unaufhörlich in seinem Kopf. Vielleicht hätte ich ehrlicher sein sollen. Ihr von all meinen Sorgen, Nöten und von meinem Getriebenwerden erzählen sollen. Eine wahre Liebe sollte das aushalten können. Sein Herz brannte und als er gerade umkehren wollte, ganz in Gedanken versunken, spürte er etwas um sich herum. Es war ein Netz, dass ihn gefangen hielt und er sah zwei Männer, die triumphierend schrien :“Jetzt haben wir ihn endlich. Sein Blut wird uns unbesiegbar machen!“ Sie fesselten ihn, er hatte keine Chance. Dann zogen sie ihn über den Waldboden in Richtung Meer.
„In ein paar Tagen kommen unsere Leute über das Meer, dann werden wir alle gemeinsam sein Blut trinken und keiner kann uns mehr aufhalten, endlich den Wald und diese Elfensippe uns untertan zu machen. Wir brauchen die Bäume für Boote, die Elfen werden für uns die Arbeit tun und die Tiere des Waldes werden uns als Nahrung dienen“; musste er sich anhören.

Unterdessen ging die Elfe den ganzen Tag im Wald hin und her. Auch ihr Herz schien nicht einverstanden zu sein, mit dem, was sie ihm gesagt hatte. Sie weinte und wollte mit ihm reden. Ihm erklären, wie sehr sie litt, wenn er unterwegs war. Aber er war nicht aufzufinden. Sie wartete und wartete an „Ihren “ Platz im Wald, aber er erschien nicht und als es bereits Nacht wurde und er noch immer nicht kam, wurde sie unruhig. Sie lief durch den Wald und fragte die Tiere, doch keiner wusste etwas.

Sie ging zu ihrer Mutter und berichtete völlig aufgelöst von dem, was geschehen war.
Diese war eine weise Frau und versuchte sie zu trösten :“Er kommt bestimmt bald zurück!“ „Nein Mutter, er braucht mich, ich spüre es!“ Die Mutter überlegte und ging in ein Zimmer, was immer verschlossen war und das niemand betreten durfte. Sie rief ihre Tochter herein und holte aus einem Schrank eine Art Rüstung. Es war keine Rüstung, wie man sie normalerweise kannte. Sie war aus Federn, ganz zart und wunderschön. Sie leuchtete hell, fast unerträglich hell.
„Ich habe diese Rüstung in jungen Jahren getragen. Sie hat vor mir meiner Mutter gehört. Ich hatte gehofft, dass du sie nicht brauchen würdest. Aber jetzt ist es an der Zeit, sie dir zu geben. Du wirst mit ihr für alle, die Hass in ihren Herzen tragen, unsichtbar sein. Sie wird dich schützen vor Regen, Sturm und Kälte und sie kennt den Weg nach Haus. Weisst du, deine weiblichen Vorfahren und auch ich noch in jungen Jahren, waren kämpferische Amazonen. Ich habe aber begriffen, dass mit Kampf und Hass kein Frieden herrschen kann und die Rüstung abgelegt. Jetzt aber will ich sie dir geben, damit du deine Liebe retten kannst. Und hier gebe ich dir noch ein Stärkungselexier für ihn mit.“

Die Elfe schaute ihre Mutter lange an. Was steckt alles in dieser Frau? Ich hatte ja keine Ahnung. Sie ist so zart und weise, aber wenn es drauf ankommt, zieht sie in den Kampf. Sie liebte ihre Mutter sehr und sie in diesem neuen Licht zu sehen, erfüllte sie mit Stolz und Hochachtung.
Sie zog das Gewand an, es passte genau. Aber was geschah mit ihr ? Was tobte da gerade in ihrem Inneren? Bilder tauchten vor ihrem inneren Auge auf. Bilder von Gewalt, Kampf und Krieg. Sie wollte sich gerade die Rüstung vom Körper reißen, da hielt ihre Mutter ihre Hände fest und sagte:“ Warte ab!“ Die Bilder verschwanden und sie fühlte einen wunderbaren Frieden in sich. „Die Rüstung hat viel gesehen und entschieden, nur noch für die Liebe und den Frieden ihre Stärken einzusetzen.“ Die Mutter umarmte ihre Tochter, „Mach dich jetzt auf den Weg!“

Die Elfe zog los und ging zuerst in den Wald um seine Spur aufzunehmen. All ihre Sinne schienen noch stärker zu sein. Sie ging an „Ihren“ Platz und spürte förmlich seine Anwesenheit. Ihr Herz brannte und sie wurde wie unsichtbar von etwas getrieben. Es zog sie in Richtung Meer. Sie lief und lief ohne zu ermüden. Nach ein paar Stunden hielt sie an, sie bemerkte eine Veränderung in sich. Sie musste ihm ganz nah sein.

Dann sah sie ihn am Strand, gefesselt auf dem Sand liegend. Zwei Männer saßen in der Nähe und unterhielten sich. „Wir dürfen ihn nicht verletzen, du weißt doch, wir brauchen sein Blut. Es wird uns stark machen und unbesiegbar.“
Ihr Herz verkrampfte sich, was sollte sie tun? Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen, wie es nur eine liebende Amazone kann und ging auf die Männer zu.
Nichts passierte, denn sie sahen sie nicht. Sie hatten Hass in ihren Herzen!
Der Kentaur aber sah sie und blieb still. Die Männer waren so sehr mit ihren Erzählungen über Kampf und Sieg beschäftigt, dass sie nicht bemerkten, wie sie den Liebsten befreite.
Sie gab ihm das Elexier. Er stand auf, groß und stark- so liebte sie ihn- nahm sie auf seinen Rücken und lief mit ihr davon.
Als sie an „Ihren“ Platz angekommen waren, hielt er an, setzte sie ab und beide fielen sich in die Arme.

Manchmal, wenn ich durch den Wald wandere, sehe ich etwas Helles davonreiten. Sie scheinen jetzt gemeinsam durch die Lande zu streifen.