Ich möchte mit einem Brief beginnen, den eine Frau an einen Mann geschrieben hatte.
Er ließ den beiden keine Zeit und keine Chance sich wirklich kennenzulernen:

Geliebter
Du ließest mich zurück mit so viel Ungeklärtem, was in meinem Herzen und in meinem Kopf ständig herumkreist.
Du warst gekränkt und bist ohne Worte gegangen. Jetzt hast du eine Mauer hochgezogen und verharrst dahinter. Ich glaube, in dir sieht es ähnlich wie bei mir aus.
Wenn du noch länger in dieser Starre bleibst, wird sich bald der Schleier der Verdrängung über alles legen. Dann wird eine Aufklärung nicht mehr möglich sein und auch die Gefühle werden dann in die Wüste verbannt und verdorren dort.
Was uns die Probleme bereitete, waren alte Kindheitsmuster. Sie zu erkennen und zu verändern wäre der Weg gewesen, eine beginnende Liebe glücklich in die Zukunft zu führen. Aber dazu gehören liebevolle, wertschätzende Auseinandersetzungen, Toleranz und Geduld.
Unsere Gefühle scheinen sich bereits auf dem Weg in die Wüste zu begeben. Traurig!

*** Wenn Gewitter und Sturm toben, ist dort der Ort, wo sich unsere Herzen treffen und sich an unsere nicht gelebte Liebe erinnern.***

Ich schrieb ja schon in anderen Beiträgen darüber, aber ich möchte noch einmal genauer über die Schwierigkeiten schreiben, die zwei Menschen sicherlich bekommen, wenn sie sich entschließen, ein Paar zu sein.

Wir alle sind auf der Suche nach einem Menschen, bei dem unser Herz ein Zuhause hat. Einem Menschen, den wir uns anvertrauen können und wo das Anvertraute gut aufgehoben ist. Der uns beisteht in allen Lebenslagen und der da ist, wenn wir ihn brauchen.

Aber es scheint ein schwieriger Weg zu den Gefühlen zu sein, die man so sehr ersehnt.
Da werden Mauern hochgezogen und so manche anfängliche Liebe stirbt dahinter.
Warum können wir so schlecht über unsere Gefühle sprechen? Über die negativen, wie auch über die positiven.
Wir alle kennen die Worte die dazu benötigt werden und oftmals sind sie bereits als Sätze in unserem Kopf. Aber sie kommen nicht über die Lippen und könnten doch so aufklärend wirken.
Was ist mit uns los?

Wir haben Angst den anderen wieder zu verlieren.
Wir haben oftmals eine kindliche Erwartungshaltung, dass sich unsere Wünsche und Bedürfnisse ohne Worte erfüllen, dass der andere sie ohne Worte errät.
Wir ordnen Auseinandersetzungen und Streit als Harmonieverlust oder schlimmer noch, als Liebesverlust ein. Dabei führen, so trocken es vielleicht klingen mag, gerade ein offenes Gespräch, eine faire Auseinandersetzung oder auch mal ein heftiger Streit mit anschließender Aufklärung und Versöhnung zu einer wirklich guten Beziehung.
Jeder muß von dem anderen wissen, dass er alles aussprechen darf und dass das Ausgesprochene ernst genommen wird. Nur damit können Veränderungen und Verbesserungen in der Beziehung geschehen.
Damit wächst Liebe.

Zu oft leben wir in unbefriedigenden Beziehungen. Suchen im Außen nach dem Glück welches uns fehlt und dabei ist es oftmals so nah.
Wenn zwei sich trennen wollen bzw. der eine gehen will, werden oftmals alle Register gezogen, die lange Zeit auf Eis lagen. Es gibt Blumen, liebevoll beschriebene Zettelchen, eine Einladung zum Essen, es wird sich schick gemacht, Sekt kaltgestellt oder das Wohnzimmer wird endlich gestrichen, und und und-
Sehen wir unsere „Felle wegschwimmen“, kommen wir in Wallung. Aber warum dann erst?
Wieder haben wir Angst den anderen zu verlieren!

Wenn wir es bis hierhin noch nicht geschafft haben zu reden, dann wird es jetzt höchste Zeit, sonst ist der andere wirklich weg und wir haben ihn vielleicht für immer verloren.