Ich habe ja des Öfteren schon über die Wichtigkeit einer guten Kommunikation geschrieben und möchte dies nochmals tun, weil ich immer wieder erlebe, wie wichtig sie ist und wenn sie nicht stattfindet, immer wieder Leid entsteht.
Sie ist die Grundvoraussetzung für ein gelingendes Miteinander.

Bedauerlicherweise musste ich Zeuge einer Trennung werden, die aufgrund mangelnder Gespräche der Aufklärung und somit des gegenseitigen besseren Verständnisses entstand.
Ich erlebte mit, wie zwei , die sich doch liebten, immer mehr auseinanderlebten und letztendlich nicht mehr zueinanderfanden.
Die Probleme waren schon so verzwickt und die Gefühle so verletzt, dass es für beide wohl keinen anderen Ausweg gab.
Beide sahen nur ihr eigenes Leid und machten den anderen dafür verantwortlich.
Die Fronten waren so verhärtet, dass eine Annäherung nicht mehr möglich war.
Aus Gesprächen erfuhr ich, dass beide schon lange unzufrieden waren, dies aber nicht konkret auf den Tisch brachten. Somit wurde die Problematik immer größer. Der andere war an allem Schuld. Es gab nur noch pauschale Verurteilungen. „Er/Sie machte immer dies und jenes“, was ein Nachvollziehen bestimmter Situationen unmöglich machte.
Oder : „Er/Sie hatte sich schon lange keine Mühe mehr gegeben, hatte nichts mehr dafür getan, dass unsere Beziehung lebendig und schön ist , er/sie wollte eh nicht mehr. “ Solche Unterstellungen und eigene Schlussfolgerungen klären natürlich nichts.
Wenn die Aussagen nur noch verachtend sind („Du bist unfähig mir zuzuhören.“), fühlt sich der andere gleich angegriffen und geht zum Gegenangriff über.
Diese ewige Vorwurfspirale führt nur zu Rechtfertigungen, Beleidigungen, Sarkasmus, Drohungen u.ä.
Freundliche und wohlwollende Worte kommen immer weniger über die Lippen, geschweige denn Zärtlichkeiten.
Schade und traurig in dem Fall, weil ich sah, es mangelte „nur“ an einem guten Austausch.

Gelingende Kommunikation

Keiner kann beurteilen, was im anderen vorgeht. Was ein anderer denkt, fühlt und wünscht.
Wir sollten nicht diagnostizieren, nicht psychologisch interpretieren und nicht verurteilen.
Außerdem keine Ratschläge (ungefragt) geben und den anderen nicht verändern wollen, was eh eine Illusion ist.
Einzig und allein gilt es sich selbst zu fragen :
„Wie fühle oder fühlte ich mich in dieser bestimmten Situation?“
„Was ist oder war dabei mein Problem?“
Wir sind für unsere Gefühle verantwortlich, nicht für die des anderen.
Es geht um die eigenen Bedürfnisse.

In Konfliktsituationen ist es oft ratsam, erst einmal eine gewisse Zeit des Rückzugs zu vereinbaren. Wir neigen in Konflikten dazu, vorschnell zu reagieren. Dabei bleibt keine Zeit, sich seinen Gedanken und den wirklichen Gefühlen zu widmen.
Wenn Wut und Aggression abgeklungen sind, können wieder klare Gedanken und Gefühle aufkommen.
Dann ist es ratsam, darüber nachzudenken und nachzuspüren, was der Grund des Konfliktes war.
Dieser Rückzug ist oftmals sehr wichtig!
Nur den anderen zu kritisieren, abzuwerten und nach unseren Vorstellungen einzuordnen, schafft vielleicht eine kurzzeitige Erleichterung, aber diese Haltung löst weder den Konflikt, noch bringt sie uns Menschen dauerhaft näher.
Wenn beide aufeinander mit den geordneten Gefühlen zugehen, kann ein produktives Gespräch entstehen.
– Wodurch fühlte sich jeder verletzt?
– Welche Bedürfnisse wurden nicht ausgesprochen?
– Welche eigenen Probleme habe ich zu dem Thema?
Klare, ehrliche Aussprachen mit einem Ziel, verschaffen Verständnis für sich selbst , für den anderen und verhelfen zu einem wirklichen Miteinander.

Verständlicherweise ist es nicht leicht über eigene Bedürfnisse zu sprechen, besonders wenn unsere Schwächen und unsere verletzbare Seite im Spiel sind. Auszusprechen, wenn wir uns abhängig oder unterlegen fühlen und welche Ängste wir haben.
Wer gibt das alles schon gern zu. Aber wenn wir ernsthafte Veränderungen und Verbesserungen in Beziehungen anstreben, ist das der einzige Weg.
Tauschen sich Menschen nicht in dieser Art aus, bleibt der Konflikt bestehen.
Sich wieder zu versöhnen, ohne die Problematik dazulegen, schafft nur eine Scheinharmonie, die nicht lange währt.
Das gegenseitige Unverständnis bleibt bestehen und zeigt sich im nächsten Konflikt wieder. Wird nichts bereinigt, kann kein harmonisches Miteinander entstehen, eher verstärken sich die Probleme, welche zu immer mehr Leid und verhärtete Fronten führen kann.
In Liebesbeziehungen leben dann die Paare oftmals nur noch nebeneinander her, führen ein „Extraleben“ neben der Beziehung oder sie trennen sich.

Haben sich zwei Menschen gefunden und sind im Grunde sehr gern zusammen, haben liebevolle Gefühle füreinander, sollten sie immer wieder den Mut aufbringen, sich den Auseinandersetzungen zu stellen und Scham, Stolz und verletzte Gefühle überwinden.
Ich persönlich empfinde es als einen großen Vertrauensbeweis, wenn Menschen über ihre Ängste, Befürchtungen und Verletzungen sprechen und diese vom anderen liebevoll aufgenommen werden. Diese Offenbarungen schaffen eine tiefe Verbindung.
Haben wir doch alle mit bestimmten Verletzungen zu leben und wenn diese vom anderen gesehen und respektiert werden, ist ein Umgang damit oftmals leichter.
Aber es hilft nichts, es muss ausgesprochen werden!

Sich klarzumachen, dass, wenn zwei Menschen sich finden, egal ob in Liebesbeziehungen oder Freundschaften, dies ein Geschenk ist.
Was wir aber mit dem Geschenk machen ,liegt bei uns selbst.