Ich war seine „Traumfrau“, und wie der Ausdruck es schon besagt : „TRAUM“ !
Und als ich seinem Traum dann doch nicht entsprach, wollte er mich nicht mehr.
Vielleicht erfüllte ich vieles von seinem Traum, aber das bedingungslose Annehmen
all seiner Eigenarten tat ich nicht.
Auch der totale Anspruch an Liebe, die ich ihm geben sollte, konnte ich nicht erfüllen.
Die permanente Aufmerksamkeit konnte ich ihm auch nicht geben.
Und seine Kontrolle über all das, hat mich erdrückt.
Jetzt interessiert er sich nicht mehr für mich.
Er sucht die Nächste, die nächste Traumfrau, den nächsten Traum.
Nur wird er keine Frau finden, die all seinen Traumvorstellungen entspricht.
Also bleibt er wohl unzufrieden in seiner Traumwelt.

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Was ist das mit der Traumfrau oder dem Traummann?
Mit dem idealisierten Liebesträumen und dem Traum von einer heilen Beziehung, die
vom Himmel fällt?
Warum werden starke Wunschbilder auf den Partner projiziert,
und Anfangs der Partner idealisiert und angebetet?

Wir alle haben ein inneres Bild, eine Vorstellung vom idealen Liebespartner.
Dieses Bild hat sich bereits in unserer Kindheit gestaltet. Es hat mit der Mutter bzw. dem
Vater zu tun.
Dieses Bild ist in unserer Psyche angelegt und jeder potentielle Partner wird damit verglichen.
Die Vorstellung, die wir unbewusst von einem Partner haben und was wir von ihm erwarten, ist das Spannungsfeld, in dem wir uns befinden, wenn wir den Menschen dann doch in seiner eigenen Art kennenlernen.
Dem anderen die Schuld an den Partnerschaftsproblemen zu geben, wird so lange aufrechterhalten, bis wir Menschen zur Einsicht gelangen, dass diese Probleme aufgrund unserer Prägungen, Verhaltensmuster und Vorstellungen entstehen.
Im Grunde gilt es zu erkennen, dass jeder Mann und jede Frau vom anderen erst einmal enttäuscht ist, weil dieser dem inneren Bild, was wir uns gemacht haben, nicht entspricht bzw. nicht entsprechen kann !
Erkennen wir nicht diesen Vorgang, begegnen wir uns nicht in der Realität, sehen wir den Menschen nicht in seiner ganz individuellen Art, dann müssen wir infolgedessen enttäuscht werden. Er wird niemals unserer Wunschvorstellung entsprechen.
Das kann er gar nicht!

Um nicht einer Traumvorstellung nachzulaufen und uns dadurch einer wirklichen Begegnung zu verschließen, müssen wir uns selbst erst einmal ergründen.
– Was habe ich für eine Wunschvorstellung bezüglich eines Liebespartners und des Beziehungsleben?
– Ist das wirklich realisierbar?
– Was hat mein Wunsch an den Partner mit meiner persönlichen Geschichte zu tun?
– Wo sind meine Ängste ?
– Wodurch leide ich immer wieder?

Wenn wir erkennen, dass Liebe nicht die Befriedigung unser Vorstellungen und Wünsche ist, sind wir zur wirklichen Liebe fähig.
Dann treffen sich zwei Menschen, die den anderen dafür lieben, wie er wirklich ist.
Ansonsten bleibt die Liebe eine Illusion von etwas, was nicht erreicht werden kann.
Bleibt eine unerfüllbare Sehnsucht, die uns immer wieder treibt, danach zu suchen.

Die Erkenntnis, dass die Probleme, die wir mit dem anderen haben, größtenteils unsere eigenen sind und weil wir den anderen in unsere Traumvorstellung pressen wollen, die dieser natürlich nicht erfüllen kann, wäre der Beginn einer wirklichen Annäherung an den anderen in seinem ganz eigenen Dasein.
Den anderen zu sehen wie er wirklich ist, und nicht, wie ich ihn haben will, ist die Grundvorraussetzung für ein gelingendes Miteinander.
Sicherlich ist es einfacher beim Gegenüber all das zu sehen was uns mißfällt, als sich seinen eigenen Schatten zu stellen.
Ausser unseren Wunschvorstellungen haben wir auch noch bestimmte Bedürfnisse, die der andere erfüllen soll, ohne dass wir sie wirklich aussprechen.
Da braucht der eine Mensch ganz viel Aufmerksamkeit und unendliche Zuwendung, weil z.B. seine Mutter ihm keine sichere Grundlage in dieser Hinsicht geben konnte. Somit wird dieser Wunsch , der eigentlich ein kindliches Defizit ist, unbewusst auf den Partner projiziert, der dieses erfüllen soll, was unmöglich ist.

Die Konfrontation mit uns selbst, gerade mit den unangenehmen Themen, ist der Schlüssel um diese Traumvorstellungen in reale Beziehungen umzuwandeln, was uns letztendlich glücklich und zufrieden macht.
Durch den Partner können wir uns selbst erkennen und Einsichten über uns selbst erlangen.
Bleiben wir in unserem Traum gefangen und von der Realität getrennt, wird es niemanden geben, der uns wirklich nahe kommt.
Stülpen wir immer wieder einem Partner unsere Wunschvorstellung über, werden wir ihn nicht in seiner Einzigartigkeit kennenlernen.
Aber nur diese Einzigartigkeit zu lieben, ohne das verklärte Bild was wir uns von ihm machen, ist etwas erfüllendes und beruhigendes.
Wir sind dann nicht mehr bedürftig, sondern nehmen das, was uns der andere aufgrund seines Wesens geben kann; und genau das lieben wir.
Dann brauchen wir nicht mehr zu suchen, denn dann leben wir die wirkliche, echte Liebe.
Dann ist der Ausspruch : „Ich liebe Dich“, ganz ehrlich und wahrhaftig.
Ich liebe dich, deine Einzigartigkeit und nicht das, was ich in dir sehen will und du erfüllen sollst.